We make wheelchairs great again!

Wer hätte das gedacht, dass aus einer Zugbegegnung, vor zwei Jahren, so etwas tolles entstehen könnte. Das war eine der Begegnungen die gerade erst durch meine Behinderung passieren. Ein Zusammen­treffen, bei der die Behinderung der Grund ist, weswegen man überhaupt anfängt miteinander zu sprechen. Oftmals erweckt diese Art von Unterhaltungen in mir ein positives Gefühl und ich empfindeganz unvermittelt in Mitten der, doch so oft erscheinenden gehetzten und kühlen Gesellschaft, als wäre da doch etwas Bedeutsames, etwas Großes.

Da saß nun die Gründerin des be able e.V., Isabelle Dechamps, neben mir. Ich kam gerade von einem Modeljob und nachdem wir ziemlich schnell ins Gespräch kamen, berichtete ich ihr davon. Sie lachte mich nur an und berichtete mir von ihren Pläne über das Projekt „Made for my wheelchair“.

Kurze Zeit später war ich ein Teil, dieses für mich ganz besonderen Projekts. Besonders, darum weil es darauf abzielt nicht einfach nur etwas für Rollstuhlfahrer zu entwickeln sondern gerade die Betroffenen, also Rollstuhlfahrer, mitentwickeln zu lassen. Denn wer könnte besser wissen was zum einem die Bedürfnisse eines Rollstuhlfahrers sind und zum anderem wie diese in der Realtitätwirklich gut funktionieren damit der Rollstuhlfahrer einen Nutzendavon hat.Das gute an dem Projekt ist, dass diese Add ons jeder selbst und vor allem kostengünstig passend für seinen Rollstuhl bauen kann. So muss ich keine weiteren Nerven an die Krankenkasse verlieren oder selbst ein kleines Vermögen hinblättern.

In einem Team von Technikern, Designern und eben auch Rollstuhlfahrern haben wir über ein Jahr – angefangen bei derBedürfsanalyse, über die Ideenentwicklung und letztendlich das Prototyping und dem Testing -zwei Add ons entwickelt. Zum einen die Rollstuhlbeleuchtung (OPEN LIGHTS) und zum anderen den Rollstuhlanhänger (OPEN TRAILER). Dabei fande ich es anfangs erst einmal sehr interessant zu sehen welche Bedürfnisse eine Person mit einem elektrischen Rollstuhl hat. Diese sind natürlich nicht immer die gleichen wie bei einem manuellen Rollstuhl. Doch erstaunlicherweise gab es viele Bedürfnisse und Wünsche die wir alle gemeinsam haben. Außerdem habe ich es genossen mit so vielen verschiedenen und wirklich sehr interessanten Persönlichkeiten zusammen zu arbeiten. Jeder einzelne in der Gruppe konnte seine Erfahrungen und Kenntnisse miteingebringen. Schon alleine dafür war das Projekt für mich persönlich ein Gewinn.

Ich bin nicht sonderlich kreativ oder gut im Basteln. Dennoch weiß ich jetzt, dass es sehr wertvoll ist seine Ideen selbstals Modell mit Hilfe von Pappe oder ähnlichem zu bauen und so das erste Mal Leben in das Ganze zu bekommen. Ich hatte zuvor mich noch nie hingesetzt und versucht meine Ideen tatsäcchlich auch in Form eines Produktes entstehen zu lassen. Außerdem habe ich gelernt, dass nichts über testen, testen, testen geht. Wir mussten Ideen auch wieder fallen lassen, da sie einfach für diese Projektintuition – kostengünstig und als open source – nicht umzusetzen waren.

Die Produkte können in den sogenannten Fab Labs mit Hilfe von den verschiedensten Maschinen gemacht werden. Die Atmosphäre in einem Fab Lab ist eine ganz Besondere. Jeder arbeitet zielstrebig an seinen Ideen und lässt sich gerne von der Kreativiät des Nachbarn mitreißen. Ich würde schon sagen, dass man dort eine kleine Gemeinschaft antrifft die alle das selbe verfolgen – etwas selbst zu entwickeln.

Uns Rollstuhlfahrern ist es allesamt wichtig, dass wir von dem typischen Bild eines Rollstuhles wegkommen. Warum kann ein Rollstuhl nicht attraktiv, modern und cool aussehen? Muss mein Unterfahrer immer so klinisch aussehen? Ich würde behaupten, dass wir das gerade mit den OPEN LIGHTS widerlegen konnten. Für unter 20 Euro pro Modul kann man sich selbst mit Hilfe von 3D-Druckern und Laserschneider-Maschinen in einem Fab Lab eine individuelle Beleuchtung schaffen. Und mit einem selbst programmierten Beleuchtungsmodi ist der Rollstuhl hundertpro attraktiv, modern und cool.

Bei einem elektrischen Rollstuhl kann man Mithilfe des OPEN TRAILER die Einkäufe transportieren oder eine Begleitperson mitnehmen. Hierbei liegen die Materialkosten bei unter 100 Euro. Die Holzplatten, welche durch CNC gefräst werden, können beliebig an verschiedene Rollstuhl-Modelle angepasst werden. So kann beim nächsten Fußballabend bei den Freunden der Bierkasten stilecht transportiert werden.

Für das Projekt steht die Idee, dass es sich um Add ons handelt die für den Rollstuhlfahrer nicht nur einer Erleichterung herbeischaffen sondern auch eine Bereicherung, im Vordergrund. Es handelt sich um open source Produkte, welche billig und einfach zu bekommen sind. Mit diesen Produkten und den Anleitungen auf der Internetseite des „Made for mywheelchair“ Projekts kann sich jeder selbst das Produkt mit seinen eigenen individuellen Anpassungen und/oder Gestaltung entwickeln.

Werdet gerne selbst aktiv und schaut euch die Anleitung und Videos auf der Verlinkung unten stehend an. Bei Interesse gibt es auch die Möglichkeit in einem Fab Lab in eurer Nähe einen Workshop mit mehreren Rollstuhlfahrern durchzuführen um so gemeinsam die Add ons herrzustellen. Sprecht einfach die Mitarbeiter des jeweiligen Fab Labs an!

Ich bin sehr dankbar Teil dieses Projekts gewesen zu sein und im Team solch tolle Add ons entwickelt zu haben.Wemakewheelchairsgreatagain!

www.madeformywheelchair.de/

MADE FOR MY WHEELCHAIR ist ein Projekt von Makea Industries GmbH, Fab Lab Berlin und be able e.V..

Assoziierte Partner sind Otto Bock Mobility Solutions GmbH und der Sozialhelden e.V..

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. FKZ 13N14244

Es ist Gewinner des „Light Cares“-Wettbewerbs.

2 Antworten auf „We make wheelchairs great again!“

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